Bearbeitung eines unsymmetrischen Hufs – Beispiel aus der Praxis
Unsymmetrische oder „schiefe“ Hufe gehören zu den häufigsten Befunden in der Hufbearbeitung. Sie entstehen in der Regel durch eine ungleiche Belastung der beiden Hufhälften. Eine Seite übernimmt mehr Gewicht, während die andere Seite weniger beansprucht wird. In diesem Artikel zeige ich anhand eines Praxisbeispiels die Erstbearbeitung eines Vorderhufs mit einfacher Schiefe. Grundsätzlich gibt es verschiedene Unsymmetrien, in denen sich Hufe befinden können. Jede Hufsituation ist individuell zu betrachten, aber ich möchte hier einige typische Merkmale zeigen.
Woran erkennt man einen unsymmetrischen Huf?
Ansicht von vorne
In der Frontalansicht lassen sich bereits deutliche Unterschiede zwischen den beiden Hufhälften erkennen:
- Hier ist die innere Hufwand (links) steiler und relativ gerade.
- Die gegenüberliegende Hufwand wirkt höher, schräger und hat sich bereits verbogen. In dieser Wand ist bereits ein Riss, da der Hebel zu groß wurde.
Ansicht der Hufsohle
Auffallend ist an diesem Vorderhuf die verbreiterte bzw. geschädigte weiße Linie, die durch die hebelnde Wand enstanden ist. Auf der Außenseite hat sich hingegen ein Spalt zwischen innerem und äußerem Wandhorn gebildet, der auf die zu hohe Last zurückzuführen ist. Typische Merkmale, um die weniger belastete Seite zu erkennen, sind außerdem:
- ein Tragrandüberstand
- eine flachere Eckstrebe
- eine breitere Hufhälfte
- eine tiefere Strahlfurche
Warum die Schiefe problematisch ist
Ein dauerhaft unsymmetrischer Huf wirkt sich nicht nur auf den Huf selbst aus, sondern auf den gesamten Bewegungsapparat des Pferdes. Durch die einseitige Belastung entstehen erhöhte (verschleißende) Kräfte auf Gelenke, Sehnen und Bänder. Mit dem unphysiologischen Bewegungsmuster steigt langfristig das Risiko für Erkrankungen wie Arthrose oder Spat.
Auch der Huf selbst kann Schaden nehmen, wie an diesem Beispiel zu sehen ist. Mögliche Folgen sind beispielsweise:
- Risse oder Ausbrechen der Hufwand
- Hufgeschwüre
- Schädigung der Blättchenschicht (im Extremfall Hufrehegefahr)
Die Korrektur des schiefen Hufes
Die Korrektur erfolgt grundsätzlich vorsichtig und schrittweise. Ziel ist es, die Lastverteilung wieder auszugleichen, ohne gesunde Strukturen unnötig zu schwächen. Über mehrere Bearbeitungsintervalle hinweg verbessert sich die Hufsituation. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Huf perfekt symmetrisch wird, denn der Huf passt sich seiner Nutzung und der Belastung durch den Pferdekörper an.